Gespräche über Krankheiten: Report gibt Aufschluss über Nutzungsverhalten im Social Web

Der Anspruch der Patienten an die Informationen aus dem Netz steigt: 65 Prozent betreiben auch nach einem Arztbesuch regelmäßig eigene Recherchen zu ihrer Erkrankung und möglichen Behandlungsmethoden. Die Informationssuche, Gespräche und Diskussionen über Krankheiten und Ärzte verlagern sich zunehmend ins Social Web. Deutlich macht dies der kürzlich erschienene Social Web Krankheitsreport von Brandwatch und Smart Crocodile.

Dabei wurden folgende Fragestellungen im Social Web untersucht:

  • Welche Krankheiten und Themen werden am häufigsten im Social Web besprochen?
  • Was bewegt Nutzer am meisten und was wird über einzelne Krankheitsgruppen im
    Detail gesprochen?
  • Welche Plattformen haben hinsichtlich krankheitsbezogener Themen die größte Relevanz?

Innerhalb eines Jahres sind mehr als zwei Millionen Erwähnungen („Mentions“) im Social Web rund um verschiedene Krankheitsthemen zusammengekommen. Durch den Zeitraum von einem Jahr (1. Mai 2014 bis 30. April 2015) konnten auch saisonale Themen analysiert werden.

Die untersuchten Krankheitskategorien im Überblick:

  • Allergien
  • Erkrankungen des Atmungssystems
  • Erkrankungen des Kreislaufsystems
  • Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems
  • Erkrankungen des Verdauungssystems
  • Infektionskrankheiten
  • Kopfschmerzen
  • Neubildungen
  • psychische Erkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen

Krankheitsthemen: Gesprochen wird viel und über Vieles

Bei 26% der Mentions (535.557 Erwähnungen) ging es um das Thema „Krankheit“ allgemein. Erkrankungen des Atmungssystems (13%), psychische Erkrankungen (13%) und das Thema Kopfschmerzen (9%) belegen die Plätze 2-4. Dabei wird über Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, Infektionskrankheiten, Allergien und Stoffwechselerkrankungen mit je maximal 5% aller Erwähnungen vergleichsweise „wenig“ gesprochen. Wenig bedeutet allerdings immer noch ein Umfang von je über 90.000 Erwähnungen innerhalb eines Jahres. Auffällig ist, dass bei saisonalen Krankheiten oder Krankheitswellen wie Heuschnupfen oder die Masernwelle in Berlin auch klare Kommunikationsspitzen zum jeweiligen Zeitpunkt erkennbar sind.

Twitter ist Kommunikationsmedium Nummer 1

Um über Krankheiten zu sprechen, steht Twitter mit fast 600.000 Erwähnungen an der Spitze der bevorzugten Plattformen, Foren folgen dicht dahinter. Facebook nimmt mit rund 430.000 Erwähnungen Platz 3 ein. Der hohe Stellenwert von Foren ist der Komplexität einiger Krankheitsbilder (beispielsweise Krebs oder Depressionen) geschuldet. Betroffene und Angehörige erhoffen sich Hilfe und Unterstützung durch Gleichgesinnte. Weiterhin relevant sind News-Seiten mit rund 330.000 und Blogs mit rund 80.000 Erwähnungen.

Top-Krankheitsthemen unterscheiden sich je nach Plattform

Welche Krankheitsthemen Nutzer bewegen, hängt davon ab, auf welcher Plattform die Diskussion stattfindet. Bei Facebook spielen Themen wie Erkältungen, Depressionen, Grippe und Diabetes eine wichtige Rolle; insgesamt ist die Themenpalette sehr vielfältig. Bei Twitter dominieren Kopfschmerzen, gefolgt von Erkältung, Grippe, Depressionen, Husten, Tumore und vielen weiteren Themen. In Foren werden überdurchschnittlich oft Krankheiten mit komplexer Diagnose, langem Krankheitsverlauf oder schwieriger Behandlung diskutiert, z. B. Krebs.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass grundsätzlich alle Krankheiten auf allen Plattformen diskutiert werden und somit jede Plattform relevant für die Gesundheitskommunikation ist. Je nach Plattform gibt es leichte Unterschiede in den Themen-Rankings, oft finden sich jedoch dieselben Krankheiten innerhalb der vorderen Plätze gemessen am Gesprächsvolumen.

Ärzte und Unternehmen sind eher unterrepräsentiert

Auf Basis einer randomisierten Stichprobe von 400 Erwähnungen konnte ermittelt werden, dass mit 38% aller Erwähnungen Patienten am meisten im Social Web über Krankheiten sprechen. Dahinter folgen mit 22% aller Erwähnungen Journalisten und Medien sowie mit 14% Angehörige, die Hilfe für betroffene Familienmitglieder suchen. Mit 4% bzw. 9% aller Erwähnungen sind Ärzte und Unternehmen eher unterrepräsentiert. Hier besteht noch deutliches Potenzial nach oben, das Social Web zu nutzen.

Patienten und Angehörige nutzen Foren besonders häufig. 60-80% aller Erwähnungen finden sich dort. Bei Twitter sind viele Erwähnungen ebenfalls von Patienten, aber auch von Unbeteiligten. Ein Blick zum blauen Riesen zeigt, dass Facebook von allen in ähnlich starker Weise genutzt wird, allerdings krankheitsübergreifend keine allzu dominante Plattform ist. Erstaunlicherweise verwenden gerade Ärzte und Unternehmen Facebook, mit je rund 27% aller ihrer Erwähnungen, überdurchschnittlich oft. Wie ich finde, ein interessanter Widerspruch.

Den Social Web Krankheitsreport gibt es hier kostenlos zum Download.

Quelle: Brandwatch

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